Im Gründerview stellen wir in regelmäßigen Abständen spannende Startups vor. […] Im Interview sprachen wir mit TrustCamera-Founder Yannick und stellten ihm die bekannten zehn Gründerview-Fragen … 1. Euer Startup in einem Tweet? Wir machen Fotos im Internet verifizierbar und schaffen damit Vertrauen zwischen Fremden. Das funktioniert auf digitalen Marktplätzen, Dating-Plattformen und überall dort, wo Fake-Content heute ein Problem ist. 2. Wie ist eure Geschäftsidee entstanden; was war der initiale Funke? Die Idee ist aus einem alltäglichen Problem entstanden, das jeder kennt: Man sieht ein Produkt online, ein Profilbild oder ein Inserat, und fragt sich unterbewusst immer, ob das Bild überhaupt echt ist. Gerade auf Marktplätzen oder in sensibleren Bereichen wie Dating oder Social Media ist Fake-Content normal geworden. Uns hat vor allem gestört, dass dieses Problem zwar riesig ist, aber kaum jemand es wirklich an der Wurzel löst. Plattformen versuchen, Betrug im Nachhinein zu erkennen. Wir setzen früher an und möchten sicherstellen, dass ein Bild von Anfang an vertrauenswürdig ist. Der initiale Funke war letztlich die Frage: Warum gibt es keinen einfachen Standard, der beweist, dass ein Foto echt und unverändert ist und der sich obendrein noch kinderleicht nachprüfen lässt? Genau daraus ist TrustCamera entstanden. 3. Wie groß ist euer Team, wer gehört dazu und wie habt ihr euch gefunden? Wir sind aktuell ein kleines, sehr fokussiertes Gründerteam mit klar verteilten Rollen. Derzeit sind wir drei, alle aus dem Raum Karlsruhe/Pforzheim. Wir kombinieren Know-how aus Business, Tech und Erfahrung in der Online-Betrugsbekämpfung und ergänzen uns dadurch ziemlich gut. Timo und Yannick sind bereits seit über 15 Jahren befreundet und bringen entsprechend ein starkes Vertrauensverhältnis mit. Kai und Timo haben sich dann vor ein paar Jahren über den beruflichen Kontext kennengelernt. Diese Mischung aus langjähriger persönlicher Verbindung und professioneller Zusammenarbeit hilft uns dabei, schnell und abgestimmt Entscheidungen zu treffen, aber dennoch flexibel zu bleiben. Uns verbindet außerdem der Anspruch, ein grundlegendes Problem im Internet zu lösen. Langfristig ist unser Ziel, etwas zu schaffen, das als Standard funktionieren kann. Denn das Internet soll ein Ort sein, an dem man einander vertrauen kann und keiner, an dem man hinter jedem Angebot einen Scam vermuten muss. 4. Wer profitiert von eurer Idee und warum? Im ersten Moment denkt man an Nutzer, und ja, die profitieren natürlich direkt, weil sie endlich wissen können, ob ein Bild echt ist oder nicht. Der eigentliche Hebel liegt aber bei Plattformen und Unternehmen: Marktplätze, Dating-Apps, Versicherungen oder auch Content-Plattformen haben enorme Probleme mit Fake-Content, Betrug und fehlendem Vertrauen. Das führt zu geringeren Conversion Rates, mehr Supportaufwand und im schlimmsten Fall zu Reputationsschäden. Mit TrustCamera können diese Plattformen Vertrauen aktiv „herstellen“, statt nur auf Probleme zu reagieren. Das macht Prozesse effizienter und verbessert gleichzeitig die User Experience. 5. Wie sieht euer Arbeitsalltag aus – gibt es überhaupt schon so etwas wie einen „Alltag“? Einen klassischen Alltag gibt es aktuell noch nicht. Jeder Tag ist anders und bewegt sich irgendwo zwischen Produktentwicklung, Nutzerfeedback, Gesprächen mit potenziellen Partnern und strategischen Entscheidungen. Gerade in der frühen Phase geht es viel darum, Hypothesen zu testen und schnell zu lernen. Das bedeutet auch, dass man regelmäßig Dinge wieder verwirft oder neu denkt. Genau diese Dynamik macht die Phase aber auch extrem spannend. 6. Weshalb habt ihr euch für einen Accelerator wie das CyberLab entschieden? Ein Startup lebt von Geschwindigkeit und den richtigen Kontakten. Das CyberLab bietet beides. Gerade in unserer frühen Phase ist es extrem wertvoll, Zugang zu erfahrenen Mentoren und einem starken Netzwerk zu haben. Zusätzlich hilft der Austausch mit anderen Startups enorm, weil viele vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Man spart sich dadurch Zeit, vermeidet typische Fehler und kommt insgesamt schneller voran. 7. Welches Startup hat euch am meisten begeistert oder inspiriert? Uns inspirieren vor allem Startups, die es geschafft haben, neue Standards zu etablieren. Spannend finden wir aber auch Unternehmen, die Vertrauen oder Sicherheit im digitalen Raum neu denken und damit ganze Märkte verändern. Genau in diese Richtung wollen wir mit TrustCamera auch gehen. 8. Was ist der nächste große Schritt? Der nächste große Schritt ist ganz klar die Integration in reale Plattformen. Wir wollen TrustCamera dort einsetzen, wo Vertrauen heute ein echtes Problem ist, und zeigen, dass unser Ansatz in der Praxis funktioniert. Das bedeutet konkret: erste Partnerschaften, echte Use Cases und messbare Ergebnisse. Darauf aufbauend geht es dann darum, das Produkt weiter zu skalieren und als Standard zu etablieren. 9. Über welche Stolpersteine musstet ihr während der Gründung steigen? Die größte Herausforderung liegt weniger in der Technologie als im Markt selbst. Fake-Content ist für viele Nutzer inzwischen fast „normal“ geworden. Einen neuen Standard zu etablieren bedeutet deshalb auch, Verhalten zu verändern. Das erfordert viel Überzeugungsarbeit bei Plattformen und Nutzern. Gleichzeitig muss man den richtigen Einstiegspunkt finden, also den Use Case, bei dem der Mehrwert sofort klar wird. 10. Habt ihr einen Rat/Tipp an andere Gründer:innen? Fokussiert euch auf ein echtes Problem, nicht einfach nur auf eine coole Idee. Wenn das Problem groß genug ist, ergibt sich vieles andere von selbst. Und: Sprecht so früh wie möglich mit potenziellen Nutzern oder Kunden. Feedback aus der Realität ist durch nichts zu ersetzen und hilft enorm dabei, die richtigen Entscheidungen zu treffen.